Krise auf sehr hohem Niveau

Seit langer Zeit ist in der Öffentlichkeit/ den Medien viel von Krisen oder sogar einer Polykrise die Rede, was ich in der dargestellten Weise nur bedingt nachvollziehen kann.

Meine Ansicht hierzu lautet wie folgt: der Teil der Menschheit, zu dem die Europäer gehören (die sog. erste Welt), hat aufgrund der wissenschaftlich-technologischen und sozialen Entwicklungen einen nie dagewesenen hohen Lebensstandard erreicht. Wir besitzen eine nie dagewesene, sehr hohe Lebensqualität, trotz aller Probleme und berechtigten Kritiken.

Hierzu hat Stephen Pinker in seinem Buch „Aufklärung jetzt“ in sehr detaillierter Weise aufgezeigt, dass sich, global gesehen, nahezu alle für das menschliche Leben relevanten Bereiche und Parameter über lange Zeiträume gesehen stark verbessert haben. (1)

Natürlich gibt es eine sehr große Anzahl von Problemen, die ich an dieser Stelle nicht aufzählen möchte, sie sind bekannt. Die Rolle der Medien muss hier auch stärker thematisiert werden, da deren Fokussierung auf Problemsituationen und -themen die öffentliche Wahrnehmung stark (negativ) beeinflusst.

Mein Ansatz

Mein Ausgangspunkt ist, der Bevölkerung klar zu vermitteln, auf welch hohem Niveau wir in Deutschland und Europa leben, und somit eine grundsätzlich positive Stoßrichtung zu entwerfen.

Wir verfügen über ein enormes Potential zur technischen, sozialen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung, und dieses Potential muss gehoben werden. Diese Weiterentwicklung kann stellenweise disruptiv sein, und damit bestehende Ordnungen und Machtstrukturen in Frage stellen.

Ein wichtiger Aspekt ist die Wirksamkeit politischer Maßnahmen. Wie z. B. im Artikel „Nur nicht erstarren“ (DIE ZEIT, 29.08.2024) thematisiert, ist es wichtig, dass die Bürger wahrnehmen können, dass ihre politischen Handlungen Wirksamkeit erzielen.

Die Arbeit der Parteien ist an den Parteizielen orientiert, aber sie muss sich auch in ihrer Wirksamkeit und damit der Fähigkeit zur Kompromiss- und Lösungsfindung messen lassen.

Materielles vs. Immaterielles

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass in unserer heutigen Zeit im öffentlichen Diskurs die materiellen Dinge wesentlich mehr im Mittelpunkt stehen als die immateriellen Dinge. Dies hat sehr vielfältige Ursachen.

Zum einen sind im Brechtschen Sinne die materiellen Dinge wichtiger als das Immaterielle (Fressen vs. Moral). Insofern ist dies eine natürliche Tendenz. Und materielle Dinge sind aus praktischen Gründen leichter zu kommerzialisieren als Immaterielles.

Zum anderen sind durch die gesellschaftlichen Revolutionen des 20. Jahrhunderts die traditionnell sinnstiftenden Instanzen wie die Religionen ins Hintertreffen geraten. Es gibt heutzutage viele “Anbieter” für Sinnstiftung, diese tun sich allerdings schwer, auf breiter Bühne Gehör zu finden.

Elementarteilchen

Unsere Gesellschaften sind in den letzten Jahrzehnten wesentlich heterogener geworden. Durch die technischen und soziologischen Veränderungen und Weiterentwicklungen haben wir alle viel mehr Möglichkeiten zu einer individuellen Lebensführung. Dadurch sind zwangsweise die verbindenden Elemente in der Gesellschaft weniger geworden, weil die Lebensrealitäten der einzelnen Bürger sich immer weiter unterscheiden. Dies ist auch innerhalb der eigenen Familien oder Freundeskreise zu beobachten, und per se nichts Schlechtes.

Aber das macht es natürlich schwieriger, in der Gesellschaft einen Zusammenhalt zu erzeugen. Zeitgemässe Politikansätze müssen dieser Entwicklung Rechnung tragen.

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