Neue Interpretation von nachhaltigem Leben und Wirtschaften
Als die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen in den 1960er und 1970er Jahren zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und bewusst wurde, haben sich in der Folge politische Parteien wie in Deutschland die Grünen gebildet, um hierauf politischen Einfluss zu nehmen. Um das Hauptziel der Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen zu erreichen, soll die Gesellschaft ihr Verhalten privat und wirtschaftlich derart verändern, dass umweltschädigendes Verhalten weitgehend vermieden wird.
Dies führt in vielen Fällen zu politischen Zielen und Maßnahmen, welche zumindest in kurzfristiger Sichtweise von der Bevölkerung als Verzicht und damit als potenzieller Verlust (von Lebensqualität oder materiellen Gütern) wahrgenommen werden. Der teilweise schlechte Ruf der Grünen als „Verbotspartei“ resultiert hieraus.
Gerade in Deutschland als einer der weltweit führenden Industriestaaten wird dies auch als Bedrohung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wahrgenommen.
Dies führt zu dem grundlegenden Konflikt zwischen der traditionellen Politik (weiter so), welche den Krisen der fortlaufenden Umweltzerstörung nicht gerecht wird, und einer ambitionierten Politik des Umweltschutzes, welche durch den (teilweise eingebildeten) Verzichtscharakter nur schwer vermittelbar ist und von vielen einflussreichen Kräften bekämpft wird.
Neuer Blickwinkel
Um diesen Konflikt zwischen ungebremstem und teilweise sinnfreiem Konsum und negativ konnotierter Verzichtsrhetorik zu überwinden, schlage ich vor, unsere Handlungen unter dem Blickwinkel der Achtsamkeit zu betrachten. Dazu müssen Kriterien entwickelt werden, um eine objektive, reale Wertigkeit zu bestimmen.
Dies ist sehr schwierig, da hier die Sinnfrage unseres Daseins gestellt wird, welche nicht in allgemeingültiger Form beantwortet werden kann. Trotzdem können wir versuchen, unser Handeln in Sinnzusammenhänge zu stellen und somit den oben beschriebenen Konflikt zu transzendieren. Damit rücken auch die immateriellen Aspekte wieder in den Vordergrund.
Achtsames Leben bedeutet, dass wir in allem, was sich jenseits des Notwendigen befindet, bewusst vorgehen und versuchen, jeder Handlung eine Bedeutung zuzuordnen. Somit ist Konsum nicht verboten oder negativ bewertet, sondern in eine individuelle Erzählung eingebettet. Wir werden zu Kuratoren unserer eigenen Existenz.
Technology is the new green
Im 20. Jahrhundert gab es für viele Produkte und Technologien, welche die Umwelt stark schädigen, noch keinen Ersatz. Insofern erschien damals der Verzicht auf umweltschädigendes Verhalten als einzige oder beste Lösung. Diese Haltung war oft auch mit einer grundlegenden Kritik an den Begriffen Zivilisation und Fortschritt verbunden.
Jetzt gibt es eine Vielzahl von neuen Technologien, welche deutlich nachhaltiger sind und die Umwelt nicht oder nur in geringem Masse belasten.
Damit gibt es einen neuen Lösungsansatz: Technology is the new green!