Die Idee des Fortschritts

Zu der grundsätzlichen Frage, ob es überhaupt Fortschritt gab und gibt oder nicht, gibt es sehr viele Meinungen und Literatur, die ich hier nicht aufgezählen möchte. Von wikipedia.de habe ich die folgende Definition übernommen: Als Fortschritt bezeichnet werden dort “grundlegende Verbesserungen durch bedeutende Veränderungen bestehender Zustände oder Abläufe in menschlichen Gesellschaften”.

Die eingangs gestellte Frage, ob es nun Fortschritt gibt oder nicht, beantworte ich sehr klar mit JA! Wenn man die bestehenden Zustände und Abläufe in den europäischen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts mit denen z. B. der Sumerer vor ca. 5.000 Jahren vergleicht, dann ergibt sich daraus für mich ein klarer Beweis dieses Standpunkts.

Ich schliesse mich auch an dieser Stelle der Ansicht Stephen Pinkers an: „Die meisten Menschen stimmen darin überein, dass Leben besser ist als Tod. Gesundheit ist besser als Krankheit. Nahrung ist besser als Hunger. Wohlstand ist besser als Armut. Frieden ist besser als Krieg. Sicherheit ist besser als Gefahr. Freiheit ist besser als Tyrannei. Gleiche Rechte sind besser als Engstirnigkeit und Diskriminierung. Alphabetismus ist besser als Analphabetismus. Wissen ist besser als Ignoranz. Intelligenz ist besser als Dummheit. Glück ist besser als Leid. Gelegenheiten, Familie, Freunde, Kultur und Natur zu genießen, sind besser als Schufterei und Monotonie. Alle diese Dinge lassen sich messen. Haben sie im Laufe der Zeit zugenommen, so ist das Fortschritt“ (1)

Fortschrittskritik

Zu der komplexen Diskussion um den Fortschritt gehört die Fortschrittskritik. Sie existiert seit langem und hat selbstverständlich ihre Berechtigung. Denis Mäder hat hierzu einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht (4).

Die konservativen Parteien haben hier per definitionem ein strukturelles Problem, denn sie und ihre Wählerschaft möchten eigentlich die jeweils bestehenden Zustände und Abläufe in den Gesellschaften erhalten. Da sich die Welt aber nun mal in einem stetigen Wandel befindet, ist dies nicht möglich, oder nur um den Preis, dass die Zustände immer weniger in die neuen Zeiten passen.

Ein wiederkehrendes Thema der Fortschrittskritik ist die Entfremdung von der Natur, wie sie z. B. von Jean-Jacques Rousseau thematisiert wurde. Dies muss jeder für sich selbst bewerten, aber da ich Kultur als einen Gegensatz zu und ein Überschreiten der Natur definiere, ist diese Entfremdung unvermeidbar. Daraus muss auch keine Gegnerschaft zur Natur erwachsen.

Politisches Ziel: Freiheit

Ein zentraler Gradmesser ist für mich die menschliche Freiheit, die Abwesenheit von unmittelbaren Zwängen. Wie oben gesagt, je mehr Parameter unseres Daseins sich verbessert haben, umso grösser ist unsere Freiheit. Unser Möglichkeitsraum hat sich vergrössert.

Hieraus lässt sich als politisches Ziel ableiten: die Zustände und Abläufe unser Gesellschaft dergestalt weiterzuentwickeln, dass sich unsere Freiheiten vergrössern. Dabei ist natürlich zu beachten, dass sich die Freiheiten aller in Summe vergrössern.